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Der Dhamma (die Lehre des Buddha) wurde schriftlich niedergelegt im sog. Pali - Kanon. Was für den Christen die Bibel, für den Moslem der Koran, für den Taoisten das Taoteking, für den Hindu der Veda ist, das ist für den Nachfolger der ursprünglichen Lehre des Erwachten der Pali-Kanon als Heilige Schrift. |
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Der Pali-Kanon: Entstehung Die Quelle unseres heutigen Wissens um den Buddha, seine Lehre und seine Gemeinde ist der Pali-Kanon. Das Pali ist eine dem Sanskrit nahe verwandte Sprache, die über keine eigene Schrift verfügt. Das Wort Pali ist kein Eigenname, sondern bedeutet "Linie, Kette, Reihe" und im eigentlichen Sinne die "Kette der heiligen Texte". Es ist sehr gut möglich, allerdings nicht erwiesen, dass der Buddha selber in der Pali-Sprache gelehrt und gepredigt hat. Es kann auch sein, dass er den Dialekt der Magadha-Provinz (des heutigen Bihar) gesprochen hat, wobei es als nicht ausgeschlossen erscheint, dass eine Identität zwischen der Pali-Sprache und derjenigen von Magadha besteht. Vor seinem Hinscheiden hatte der Buddha den Mönchen erklärt, wie sie sich verhalten sollten, wenn jemand behaupten würde, er zitiere den Buddha. Sie sollten sich dessen Sätze merken und im Vinaya (den Ordensregeln) und in den Suttas (den Lehrreden) nach einer Bestätigung dafür suchen. Wenn sie dort nicht zu finden sei, müsse man davon ausgehen, dass die betreffende Person etwas falsch aufgefasst habe, und dann solle man diese Sätze verwerfen. Diese Anordnung war von großer Bedeutung. Sie hat bis auf den heutigen Tag bewirkt, dass wir zwischen Buddhas eigenen Worten und nachkanonischen, nichtauthentischen Texten unterscheiden können. Die Notwendigkeit, Seine Worte möglichst rasch nach seinem Tod (Parinibbana) festzulegen, ergab sich schließlich auch daraus, dass er keinen Nachfolger eingesetzt, sondern die Lehre (Dhamma) als alleinige Autorität für den Orden bestimmt hatte. Es war der Mönch Mahakassapa, mit dem der Buddha einst das Gewand getauscht hatte, der nach der Einäscherung des Ordensgründers fünfhundert Mönche (Bhikkhus) , Erwachte , aufforderte, in der folgenden Regenzeit eine Versammlung abzuhalten, um die Worte des Buddha zu besprechen und zu rezitieren. So sollten sie für nachfolgende Generationen festgehalten werden. Man traf sich unter Mahakassapas Vorsitz an der Sattapanni-Höhle am Nordhang des Vebhara-Berges von Rajagaha zum ersten Konzil. Auf diesem Konzil befragte der ehrw. Mahakassapa einen anderen Geheilten, den ehrw. Upali, den der Erwachte als an der Spitze der Kenner der Ordensregel bezeichnet hatte, über die Ordensregeln. Danach befragte er den ehrw. Ananda über die Lehrreden. Ananda wurde vom Erwachten als derjenige Nachfolger gepriesen, der nicht nur in einer, sondern in fünf vorzüglichen Eigenschaften herausragte. Eine davon war eine außergewöhnliche Gedächtniskraft. Als Begleiter des Erwachten hatte er die meisten Lehrreden mit angehört, andere hatte ihm der Buddha wiederholt. Wir verdanken es hauptsächlich Ananda, wenn uns die Lehrreden heute noch vorliegen. Nach sieben Monaten des Rezitierens hatte die Synode die Texte zusammengestellt. Buddhas Reden und Aussprüche wurden mündlich überliefert, und das mag mit ein Grund der vielen Wiederholungen sein, die wir in den Texten vorfinden. Hundert Jahre nach dem ersten Konzil fand das zweite statt. Unter dem Vorsitz des ehrw. Revata wurde in Vesali acht Monate lang der Kanon der Buddhaworte rezitiert. Das dritte Konzil tagte in Pataliputta unter dem Patronat des Kaisers Ashoka im Jahre 252 v. Chr. Die Synode umfasste tausend Mönche und den Vorsitz führte Moggaliputta Tissa. In neunmonatiger Arbeit wurden die Theravada-Texte aufs neue überprüft und durch ein scholastisches Werk ergänzt. Kaiser Ashoka, der den Buddha-Dhamma zur Staatsreligion Indiens erhob, entsandte Missionare zu den Herrschern der Nachbarvölker. Aber nur in Ceylon waren die Dhamma-Boten anhaltend erfolgreich. In den Klöstern der Insel wurde der vom dritten Konzil endredigierte theravadische Kanon mündlich aufbewahrt, bis er im 1. Jahrhundert v. Chr. auf Geheiß des Königs Vattagamani Abhaya in Pali niedergeschrieben wurde. Sind die Lehrreden schwer verständlich? Dass die Gesamtheit der Lehrreden ein widerspruchfreies Ganzes bildet, in dem sich das eine in das andere fügt, wird allerdings erst dann deutlich, wenn man die Lehre vollständig begriffen hat. Solange dies noch nicht der Fall ist, stehen dem Verständnis drei Schwierigkeiten entgegen: 1. Der Buddha sprach zu Menschen einer örtlich und zeitlich bestimmten Kulturstufe: Den Bewohnern Nordindiens im 5. vorchristlichen Jahrhundert. Seine Lehren erfolgen auf der Basis von Lebensverhältnissen und Denkgewohnheiten, die sehr verschieden von unseren heutigen sind. Der zeitlose Inhalt der Lehrreden muß daher von der zeit- und ortsgebundenen Einkleidung abstrahiert werden. 2. Der Buddha konnte von bestimmten allgemein bekannten Tatsachen ausgehen, z.B. der Wiedergeburt und dem Gesetz des Karmas. Diese und andere Dinge brauchten daher zu seiner Zeit nicht immer angesprochen zu werden. Sie wurden stillschweigend vorausgesetzt. Andere Dinge, die der Abendländer als selbstverständlich ansieht, werden manchmal ausführlich besprochen. 3. Die Argumentation und Beweisführung entspricht der damals in Asketen- und Brahmanenkreisen üblichen Gedankenführung. Das Problem wird nicht kurz und zielgerichtet angesprochen, sondern "umkreist", von mehreren Gesichtspunkten aus betrachtet und die Lösung zum besseren Einprägen mehrmals wiederholt. Inhalt des Pali-Kanons Da er auf getrocknete Palmblätter geschrieben und in drei Körbe sortiert abgelegt wurde, führt der Kanon den Namen Tipitaka d.h. Dreikorb (Korb zur Aufbewahrung der Lehren). Dieser Kanon ist der einzige, der vollständig erhalten ist. Diese umfangreiche Sammlung der heiligen Schriften des Buddhismus ist, wie der Name sagt, traditionell in drei große Pitaka, d.h. Gruppen, Bücher oder Körbe eingeteilt. Wir unterscheiden: I. Korb der Ordensregeln (Vinaya-Pitaka). Darin ist alles enthalten, was sich auf die Mönchsgemeinde und ihre Ordensregeln bezieht. Dem Vinaya-Pitaka vorher geht ein kleines Werk, welches eigentlich nicht zum Kanon gehört, aber seine Existenz wird im Kanon vorausgesetzt. Es führt den Titel "Patimokkha" . Dieses Werk bildet die Grundlage des Vinaya-Pitaka. Es sind die genau formulierten Ordensregeln. Im Zusammenleben der Mönche untereinander und in ihrem Umgang mit den im Hause Lebenden waren im Laufe der Zeit immer wieder kleinere oder größere Untugenden offenbar geworden, so dass der Erwachte immer wieder aus gegebener Veranlassung den bereits vorhandenen Regeln weitere Verhaltensregeln hinzufügte. Die ersten Mönche brauchten überhaupt keine Regeln, sie waren als bereits sehr Geläuterte, Reine in den Orden eingetreten, bedurften nur weniger Belehrungen, um letzte Triebe aufzuheben; durch sie konnte nichts Unmoralisches oder Anstößiges geschehen. Aber als der Orden größer wurde und an Ansehen gewann, trat aus menschlichen Schwächen manches Ungute zutage, das der Erwachte durch den Erlass einer Regel unterbinden wollte. Bis zur Erlöschung des Erwachten, d.h. nach 45 Jahren des Lehrens, war die Zahl dieser Regeln, die alle vierzehn Tage rezitiert wurden, für Mönche auf 227 angewachsen. Am Voll- und Neumond-Tag wurden diese Regeln vorgetragen. Dabei sollten sich die Mönche jedes Mal prüfen, ob sie seit ihrem letzten Vortrag dagegen verstoßen hatten. Der Korb der Ordensregeln selbst besteht aus drei Abteilungen: 1. Suttavibhanga. Dieses ist eine ausführliche Erläuterung der 227 Regeln des Patimokkha. 2. Khandakas. Die "kleineren Abschnitte", die in zwei Bücher zerfallen; a) Mahavagga, "große Abteilung", und b) Cullavagga, "kleine Abteilung". Diese Bücher behandeln die im Patimokkha nicht vorkommenden Regeln über die Aufnahme in den Orden, die Uposathafeier, das Verhalten in der Regenzeit, die Kleidung, Wohnung, Hausgeräte usw. der Mönche und Nonnen und deren ganzes tägliches Leben. 3. Parivara, "Appendix", ein hinzugefügtes kleineres Handbuch der Gemeindeordnung. II. Korb der Lehrreden (Sutta-Pitaka). Dieser besteht aus fünf Sammlungen (Nikaya). Hier wird die Lehre behandelt und von den verschiedenen Seiten her beleuchtet. In dieser Gruppe befinden sich die Lehrreden des Buddha. 1. Digha-Nikaya Die Sammlung der langen Lehrvorträge. Seinen Namen Lange Sammlung hat das Werk einerseits daher, dass seine vierunddreißig Lehrreden, sie sich ihrerseits in drei Hauptteile gliedern, daher, dass sie eine beträchtliche Länge haben, andererseits ist aber auch das Wort Lange Sammlung im übertragenen Sinne der intensivsten und konzentriertesten Sammlung aufzufassen. Der Digha-Nikaya stellt das älteste und schon insofern ehrwürdigste Quellenwerk der buddhistischen Lehre dar. Gewöhnlich ist hier der Buddha selbst der Hauptredner. Eines der wertvollsten dieser Suttas ist das Mahaparinibbana-Sutta, welches von den letzten Lebenstagen des Buddha erzählt und die von ihm vor seinem Hingange gehaltenen Reden mitteilt. 2. Majjhima-Nikaya Die Sammlung der Lehrvorträge von mittlerer Länge besteht aus 152 Lehrreden in 15 Teilen. In jedem Dialog wird eine oder die andere Lehre des Buddha behandelt. Diese Sammlung ist weit verbreitet und wurde von verschiedenen Übersetzern ins Deutsche übertragen. 3. Samyutta-Nikaya Sammlung der zu Gruppen eingeteilten Lehrreden, die aus 5 Büchern mit 2889 Suttas besteht. Auch dies ist eine überaus umfangreiche Sammlung. Alle auf einen Gegenstand bzw. zu einer Gruppe gehörenden Suttas sind in einer Gruppe zusammengefasst. So gibt es z.B. ein Devata-Samyutta (Gruppe von den Gottheiten) usw. Es ist dies keine systematische Anordnung nach Gegenständen, sondern es werden Vorträge von den verschiedensten Lehren der buddhistischen Ethik und Psychologie zu einer "Gruppe" zusammengefasst. 4. Anguttara-Nikaya Sammlung der nach aufsteigender Zahlenfolge geordneten Lehrvorträge. Bestehend aus Einer- bis Elferbuch. Die Sammlung ist so geordnet, dass im ersten Buch nur solche Sachen, Begriffe, Motive vorkommen, die ein einziges Mal existieren, dann zwei und so fort. So ist z.B. in der dritten Abteilung die Rede von der Dreiheit "Gedanken, Worte, Taten" usw. 5. Khuddaka-Nikaya Sammlung kleinerer Stücke. Diese umfangreichste aller fünf Sammlungen enthält zusätzliches Material zu den Lehrreden. Die Sammlung besteht aus 15 Werken: 1. Khuddakapatha oder "Kleines Lesebuch" ein Handbüchlein für Novizen. 2. Dhammapada, der Wahrheitspfad, eine Sammlung von 423 Versen. 3. Udana, Kernsprüche zum Aufatmen. 4. Itivuttaka, Aussprüche des Buddha, das So-Gesprochene, eine Sammlung von 112 kurzen Reden in Prosa und Versen. 5. Suttanipata, Sammlung von Lehrtexten, eine Art Vademecum. 6. Vimanavatthu, Götterpalast-Geschichten. Der Inhalt betrifft Verhaltensweisen, die zur Wiedergeburt in erdnahen Himmeln führen. 7. Petavatthu, Gespenster-Geschichten. Pendant zum Vimanavatthu, wobei hier gezeigt wird, welches Verhalten zur Gespensterwelt (Schattenreich der Toten) führt. 8. Theragata, Lieder der Mönche. 9. Therigata, Lieder der Nonnen. 10. Jataka, Wiedergeburtsgeschichten des Buddha. Als kanonisch gelten nur die Verse, nach deren Anzahl die Jatakas geordnet sind. 11. Niddesa, dem Sariputta zugeschriebene Kommentarwerke zum Suttanipata. 12. Patisambhidamagga, der Weg zur analytischen Erkenntnis. 13. Apadana, eine Sammlung von Lebensbeschreibungen von Heiligen. 14. Buddhavamsa, kurze Lebensbeschreibung der 24 Buddhas, die Buddha Gotama in früheren Weltzeitaltern vorausgegangen sind. 15. Cariyapitaka, hier werden die 10 Vollkommenheiten (Parami) durch deren Pflege ein Bodhisattva Buddhaschaft erlangt, in Versen, den entsprechenden 35 Jatakas erzählt. III. Korb der Analytik (Abhidhamma-Pitaka). Diese Sammlung umfasst sieben Bücher: 1. Dhamma-Sangani, eine Aufzählung psychischer und materieller Eigenschaften, d.h. der Elemente und Objekte des Bewusstseins. 2. Vibhanga, achtzehn Abhandlungen über verschiedenartige Themen philosophischen, psychologischen und ethischen Charakters. 3. Katha-Vatthu, Buch der Streitfragen. 4. Puggala-Pannatti, Buch der Charaktereigenschaften oder Typen von Individuen. 5. Dhatu-Katha, Darlegung der Sinnesfunktionen. 6. Yamaka, Buch der Gegensatzpaare. 7. Patthana, Buch der Entstehung psychischer und materieller Zustände: Kausalität und gegenseitige Abhängigkeit. Ursachen des Seins. Es ist der scholastische Teil der Lehre, der etwas späteren Ursprungs sein dürfte. IV. Andere Pali-Werke Es gibt einige Pali-Werke außerhalb des Kanons, die jedoch in enger Verbindung mit ihm gesehen werden. So vor allem den Milindapanha, die Fragen des Königs Milinda (griechisch Menandros) an den Buddha-Mönch Nagaseno. Es besteht aus vier Teilen. In Burma wird dieses Werk so geschätzt, dass es als kanonisch gilt.
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