|
|
Zur Geschichte des Buddhismus im deutschsprachigen Raum.
|
|
„Der Buddha ist erwacht, hat die Lehre zum Erwachen gelehrt. Die Inder haben sie gehört, verstanden und verwirklicht. Die Singhalesen haben sie aufgeschrieben und immer wieder abgeschrieben. Die Engländer haben sie in lateinische Buchstaben transkribiert und Deutsche haben sie übersetzt und gelehrt. Und wir haben sie gehört. Das ist die Geschichte des Buddhismus in Kürze. Am Anfang stand die vollkommene Erwachung des Vollendeten. Alles, was die Menschen an seinen Berichten davon änderten, konnte nur Verschlechterung sein, im allerbesten Fall Wiederholung mit anderen Worten, die der späteren Zeit angepasst waren. Die Geschichte des Buddhismus als Lehre ist seine Verfallsgeschichte.“ (Dr. Hellmuth Hecker) Hier folgen einige Daten und Fakten zur jüngeren Buddhismus-Geschichte in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum: Der österreichische Jesuitenpater, Astronom und Mathematiker Johannes Grueber war der erste Europäer, der als Kundschafter des Papstes - im Juni 1661 - die tibetische Hauptstadt Lhasa betrat und dort etwa einen Monat lang blieb. Er berichtete von “Götzenbildern“, unter denen “Manipe“ den ersten Platz einnimmt: „Vor diesem Götzenbild wiederholen sie immer wieder die folgenden Worte: „O Manipe mi hum, O Manipe mi hum“, was soviel bedeutet wie „Oh Manipe erlöse uns!“.“ Sehr wahrscheinlich hatte er beobachtet, wie Mantras, z.B. „Om mani padme hum“ vor Buddha– oder Bodhisattva-Statuen rezitiert wurden. Er berichtete auch von augenscheinlichen Übereinstimmungen der Riten der katholischen Kirche und den Zeremonien buddhistischer Priester im damaligen Tibet. Rund 100 Jahre später hatte die russische Zarin Katharina II. deutsche Siedler in ihr Reich eingeladen, um fruchtbare und dünn besiedelte Regionen an der mittleren und unteren Wolga zu erschließen. So kamen wolgadeutsche Missionare und Händler in die Kalmückensteppe. Auch “Herrnhuter Christen“ (eine im Jahre 1722 gegründete evangelisch-christliche Bewegung) wollten dort missionieren. Sie hatten damit keinen Erfolg, berichteten aber, dass sie ein Volk mit einem „fein ersonnenen Religionssystem“ vorfanden (Die Kalmücken, ein mongolisches, buddhistisches Volk war 100 Jahre zuvor an die Nordwestküste des Kaspischen Meeres gelangt und hatte sich angesiedelt. Heute ist Kalmückien eine autonome Republik mit rd. 300.000 Einwohnern). Die damaligen Eindrücke über deren buddhistische Kultur tibetischer Prägung beschrieben die Herrnhuter so: „Sie finden das Evangelium sehr schön und loben es, eben weil es, wie sie sagen, dasselbe enthält, wie ihre Religionsschriften. Sagt man einem gelehrten und scharfsinnigen Kalmücken von der Liebe, die unsern Heiland in den Tod getrieben hat, so weiß er von Schachdschamuni (Anmerkung: offenbar Sakyamuni Buddha), ihrem jetzt regierenden, obersten Gott zu erzählen, dass er wer weiß wie oft gestorben ist, bald um sich in Hasengestalt einem verschmachtenden Wanderer zur Speise zu bieten, bald auf die oder jene Weise einem Andern einen ähnlichen Gefallen zu tun. Hält man ihm vor, dass ein Mittler ist zwischen Gott und den Menschen, so freut er sich, dass die Kalmücken viele Tausend Mittler haben und glaubt dadurch im Vortheil zu sein.“ (Anmerkung: offenbar ist der Bodhisattva in Jataka-Erzählungen gemeint). Die Kalmückenmission der Herrnhuter brachte aber einen bedeutenden Wissenschaftler hervor: Isaak Jakob Schmidt (1779-1847), Mitbegründer der modernen Mongolistik, Tibetologie und Buddhologie. Er wurde der erste deutschsprachige Autor und Übersetzer buddhistischer Bücher. Aus seinen Werken erhielt Artur Schopenhauer wichtige Informationen. Einen Einblick in den Zeitgeist gewährt auch der Leipziger Buchhändler und Verleger Johann Heinrich Zedler (1706-1751) in seinem „Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste“, erschienen 1733: „Buddou, ein Gott deren Einwohner auff der Insel Ceylon, welchen sie für einen Vorsteher des Friedens halten, und dem sie die Seeligkeit deren Seelen zuschreiben, auch dessentwegen sehr hoch ehren. Dieser soll ehemalhls auff Erden kommen seyn, und so lange auff Erden gewesen, hätte er meistentheils pflegen unter dem Baum Bogohah zu sitzen.“ (Anmerkung: offenbar ist Bodh Gaya gemeint). Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646-1716) hatte einige Vorstellungen von jesuitischen Missionaren (deren Arbeiten ansonsten meist im vatikanischen Archiv verschwanden) übernommen und sprach vom „Nichts“ als „erstem Prinzip“ im Buddhismus. Immanuel Kant (1724-1804) hatte deutlichere Vorstellungen als Leibnitz. Er erwähnte in seinen Vorlesungen Karma, Wiedergeburt und Abwesenheit eines höchsten Gottes im monotheistischen Sinn. Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) aber war sozusagen der „erste deutsche Buddhist“. 1844 schrieb er in der 2. Auflage von “Die Welt als Wille und Vorstellung“ Kap. 17 den berühmten Satz : “Wollte ich die Resultate meiner Philosophie zum Maßstabe der Wahrheit nehmen, so müsste ich dem Buddhaismus den Vorzug vor den anderen (Religionen) zugestehen.“ Seine Grundeinstellung war: Die letzten Geheimnisse trägt der Mensch in seinem Innern, daher er nur hier den Schlüssel zum Rätsel der Welt zu finden hoffen darf. Er bezeichnete sich selbst als Buddhist (bzw. Buddhaist) und stellt 1856 bei sich zuhause eine Buddhastatue auf. Im gleichen Jahr fasste der Komponist und Dichter Richard Wagner, durch die Lektüre Schopenhauers auf den Buddhismus aufmerksam geworden, den Plan zu einem Musikdrama, dass den Buddha auf die deutsche Opernbühne bringen sollte. 1881 erschien ein Buch des hervorragenden Indologen Hermann Oldenburg: „Buddha. Sein Leben. Seine Lehre. Seine Gemeinde.“ Anhand von Pali-Texten wurde hier erstmals für den deutschen Sprachraum die Lebensgeschichte des Buddha rekonstruiert. Die Bedeutung dieses Buches für die moderne Forschung lag in der Tatsache, dass Oldenberg in ihm den Nachweis der Historizität des Buddha erbrachte. Er hatte sich damit gegen die von mehreren Forschern seiner Zeit vertretene Auffassung durchgesetzt, dass es sich beim Buddha um eine lediglich mythische Gestalt handle. Er übersetzte auch das Vinaya-Pitaka und das Theragatha und Therigata. 1888 erschien die erste Auflage des „Buddhistischen Katechismus“ von Friedrich Zimmermann unter dem Sanskrit-Pseudonym „Subhadra Bhikshu“. Das Buch, nach dem Vorbild des englischen „Buddhist Catechism“ von Henry Steel Olcott gestaltet, wurde ein Bestseller. Es erlebte 14 Auflagen und wurde in 10 Sprachen übersetzt. 1900 - 1945 Etwa um die Wende zum 20. Jahrhundert herum setzte ein entscheidender Durchbruch ein. Es waren vor allem drei Männer, die dafür verantwortlich waren. Anton Gueth (der spätere ehrw. Nyanatiloka Mahathera), Paul Dahlke und Karl Eugen Neumann. Bei allen Dreien spielten die Theravadaschriften, wie sie auf der Insel Sri Lanka bzw. damals Ceylon aufbewahrt wurden, eine Rolle. Alle drei reisten auch selbst nach Sri Lanka. Anton Gueth fasste 1902 den Entschluss, nach Indien zu reisen. Er wurde in Burma 1903 Novize und 1904 als erster Deutscher ein Bhikkhu, ein voll ordinierter buddhistischer Mönch. Er erhielt den Namen Nyana-ti-loka (Kenner der drei Welten). 1911 konnte er im Süden Sri Lankas ein Kloster auf einer kleinen Insel gründen, zu der bald viele Deutsche reisten, um ordiniert zu werden und um die Lehre zu studieren. Nyanatiloka hatte viele Mönchsschüler und auch Laien, darunter die Debes-Brüder und Sigmund Feniger, den späteren ehrw. Nyanaponika Mahathera. Nyanatilokas Sprachbegabung war enorm und er übersetzte u.a. die Angereihte Sammlung (Anguttara-Nikaya) komplett ins Deutsche. 1954 hatte er die Freude, in Burma am 6. Buddhistischen Konzil in Yagu bei Rangoon teilzunehmen. Dazu war in Nachbildung des 1. Konzils, das ein halbes Jahr nach dem Tod des Buddha bei Rajagaha in Bihar in einer Höhle stattgefunden hatte, eine Versammlungshalle in Form einer Höhle errichtet worden. An diesem Konzil nahmen 2500 buddhistische Mönche teil, darunter auch Nyanatiloka und sein Schüler Nyanaponika. Sie waren die einzigen westlichen Mönche, andere waren nur als Beobachter dabei. Falls nicht beim 3. Konzil unter Kaiser Ashoka Griechen beteiligt waren, waren sie die ersten Abendländer bei einem buddhistischen Konzil. Über Nyanatilokas bewegtes Leben gibt es ein interessantes Buch: „Der erste deutsche Bhikkhu“, von Hellmuth Hecker. Paul Dahlke bekam den ersten Anstoß für seine Weltanschauung von Schopenhauer. Er war ein berühmter Arzt und machte mehrere Weltreisen. So kam er im Frühjahr 1900 nach Sri Lanka mit dem Ziel, den Buddhismus zu studieren. Er kam in Kontakt mit buddhistischen Gelehrten und wurde bald Buddhist. 1903 erschien sein erstes Buch. Auf Sylt kaufte er ein Riesengelände von 20 Morgen, um in Deutschland eine Art Laienkloster zu errichten. Diesen Plan gab er später auf , aber 1923, mitten in der Inflation, bekam er ein riesiges in Berlin-Frohnau geschenkt, ein Gelände von 11 Morgen Heide und Kiefern. Dort entstand das mit Hilfe von Spenden der erste buddhistische Tempel in Westeuropa. 1924 konnte er einziehen und rege Tätigkeiten für die Lehre entfalten. Auch Kurt Fischer zog mit seiner Ehefrau dort ein. Sie blieben auch nach dem Tod Dahlkes dort wohnen, hielten Uposatha-Feiern ab und veröffentlichten eine Zeitschrift: "Buddhistisches Leben und Denken." Diese wurde 1942 eingestellt. Heute wird das Haus von einer singhalesischen Gesellschaft verwaltet. Ein Meilenstein wurde schließlich die Arbeit von Karl Eugen Neumann. Er studierte Indologie (u.a. bei Oldenberg) und begann in Wien mit seiner Übersetzungstätigkeit. Bereits 1892 erschein seine "Buddhistische Anthologie". Neumann war Indologe und auch Buddhist, so verband er Wissenschaft und persönliche Lehrnachfolge. 1893 begann er mit der Übersetzung der Mittleren Sammlung (Majjhima Nikaya). 1894 unternahm er eine Reise nach Indien und Ceylon. Er weilte zwei Monate auf Ceylon und knüpfte enge Kontakte mit gelehrten Mönchen. Anschließend reiste er einen Monat durch Indien. 1894 war er wieder in Wien. Danach ging seine Übersetzung der Palitexte weiter. Im Laufe der Jahre erschienen nun seine Übersetzungen der je drei Bände der Mittleren und der Längeren Sammlung, der Lieder der Mönche und Nonnen und des Suttanipata. In Reinhard Pieper in München fand er 1904 einen kongenialen Verleger. Der erste buddhistische Verein (genannt "Buddhistischer Missionsverein für Deutschland") wurde 1903 in Leipzig gegründet, Karl Seidenstücker war hier maßgeblich beteiligt. 1906 wurde der Verein in „Buddhistische Gesellschaft für Deutschland“ umbenannt. Seidenstücker betätigte sich auch als Herausgeber und Redakteur erster buddhistischer Zeitschriften, so z.B.: Der Buddhist (1905). 1906 erschien im Leipziger Lotus-Verlag das Buch "Das Leben des Buddha" von Dr. Julius Dutoit, Gymnasiallehrer in München. 1908 erschien die komplette Jataka-Sammlung des Pali-Kanons, übersetzt von Dr. Dutoit. Eine Arbeit, nahezu vergleichbar mit der von Karl Eugen Neumann. Walter Markgraf reiste 1908 nach Burma und wurde danach Schüler von Nyanatiloka in Sri Lanka. Zurückgekehrt nach Deutschland gründete er in Breslau den ersten buddhistischen Verlag und gab eine Zeitschrift namens "Indien und die Buddhistische Welt" heraus. Einem breiterem Publikum war die Lehre des Buddha trotz allem kaum bekannt und der Tenor in wissenschaftlichen Büchern war eher so, dass Buddhismus eine pessimistische Weltsicht sei. Ein Zitat aus dem Buch „Der Buddhismus“ (Tübingen 1911), von D. Edv. Lehmann, Professor der Religionsgeschichte an der Universität Berlin: „Buddha und Darwin in schönster Eintracht über die Prinzipien der Biologie: über die Entwicklung des Lebens und das Bestehen des Lebens! Nur dass ihre Eintracht damit endet, dass sie dem Menschen die entgegen gesetzten Ratschläge zurufen; Darwin: Halte fest an deinem Lebenswillen! Kämpfe für dein Dasein! Buddha: Gib das Dasein auf! Vernichte deinen Lebenswillen!“ Zu der Übersetzungstätigkeit von Karl Eugen Neumann gab es später von berufener Seite viel Lob, so von dem Dichter und Denker Hermann Hesse oder vom berühmten Thomas Mann: „Die Reden Gotamo Buddhos in der Übersetzung von Karl Eugen Neumann habe ich durch alle Stationen meiner Wanderung glücklich hindurchgerettet, und noch heute stehen sie in meiner Kilchberger Bibliothek. Sie bleiben mir ein wirklich kostbarer Besitz. Ich bin der Überzeugung, dass die Verdeutschung durch Karl Eugen Neumann zu den großen Übersetzungen der Weltliteratur gehört.“ Im Oskar Schloß - Verlag erschienen zu der Zeit die meisten buddhistischen Bücher eines deutschen Verlages. Oskar Schloß (1881-1945) hatte viel von seinem Privatvermögen für buddhistische Veröffentlichungen investiert. Er gab zwei Zeitschriften mit einer Auflage von je 3000 Exemplaren heraus und veröffentlichte diverse buddhistische Schriftenreihen: Buddhistische Taschenbibliothek, 5 Bd. 1914. Benares-Bücherei, 9 Bd., 1924. Buddhistische Volksbibliothek, 23 Bd. 1924-25. Von Kurt Schmidt erschien 1917 das Buch: "Der Buddha und seine Lehre" nach einem Vortrag im Münchner Monistenbund. 1921 gründeten Georg Grimm und Karl Seidenstücker in München die „Buddhistische Gemeinde für Deutschland“, die später in „Altbuddhistische Gemeinde“ umbenannt wurde. Von Martin Steinke (1882-1966) wurde 1922 die auf dem Theravada beruhende "Gemeinde um Buddha e.V." in Berlin gegründet. Edmund Husserl, Begründer der transzendentalen Phänomenologie und Lehrer Martin Heideggers stellte eine tiefsinnige Betrachtung über den Buddhismus an, die im Jahre 1925 veröffentlicht wurde. Er schrieb, dass die Übersetzung der buddhistischen Schriften uns die vollkommene Möglichkeit verschaffe, eine der europäischen konträre Art der Welt-Schau kennenzulernen. Er bescheinigt dem Buddhismus innere Konsequenz, Energie und edle Gesinnung und fordert eine völlige Gleichstellung des Buddhismus mit den höchsten Erscheinugsformen europäischen Denkens und Glaubens. Alfred Hillebrandt schrieb in seinem Buch "Buddhas Leben und Lehre": "Eine unerwartete Bestätigung des Glaubens an die Echtheit und das alter des Pali-Kanons haben die glänzenden Funde der Turfanexpedition unter der Führung von Lecoq, Grünwedel, Aurel Stein u.a. gebracht. Sie zogen Reste alter Handschriften und Blockdrucke ans Licht, deren Erforschung durch R. Pischel das Vorhandensein eines alten Sanskrit-Kanons im Norden ergab, der von dem Palikanon unabhängig ist, aber 'in dem Kern der Lehre Buddhas' eine Übereinstimmung beider Fassungen zeigt, so dass die nördliche und südliche Überlieferung, die später sehr auseinandergingen, einen gemeinsamen Ausgangspunkt gehabt haben müssen. Im gleichen Jahr 1925 verfilmte die Münchner Filmgesellschaft Emelka unter der Regie von Franz Osten in Indien die Lebensgeschichte des historischen Buddha unter dem Titel "Die Leuchte Asiens". 1926 wurde Dr. med. Wolfgang Schumacher (1908 - 1961) der letzte persönliche Schüler von Paul Dahlke. Er gründete 1932 die buddhistische Zeitschrift "Wissen und Wirken" und veranstaltete 1933 in Berlin einen buddhistischen Kongreß. 1933 wurde Martin Steinke in einem Zen-Kloster in Shanghai zusammen mit 12 europäischen Novizen und 150 Chinesen zu Mönchen und Bhodisattvas geweiht. Er erhielt den Namen Tao Chün und brachte später zahlreiche Bücher und Veröffentlichungen heraus, in erster Linie über Zen-Buddhismus. Zwischenzeitlich wurde die Gruppierte Sammlung (Samyutta Nikaya) von dem Münchner Indologen Wilhelm Geiger übersetzt. Er brach seine Arbeit allerdings ab. Der deutsche buddhistische Mönch Nyanaponika übersetzte 1941 weiter wichtige Texte aus dieser Sammlung im Internierungslager. 1993 wurde die Übersetzung der Gruppierten Sammlung durch die Arbeit von Hellmuth Hecker zum Abschluss gebracht. Das Dritte Reich (1933-1945) ist trotz des scheinbaren Interesses vereinzelter Machthaber am Buddhismus eine Zeit des Stillstands für seine Entwicklung in Deutschland gewesen. Offen bekämpft wurde der Buddhismus während der Nazi-Zeit nur in Einzelfällen. Die Buddhisten galten im Nazi-Reich als Sonderlinge und Pazifisten. Kurt Fischer musste jede Ausgabe seiner Zeitschrift: "Buddhistisches Leben und Denken" an die NS-Zensur einschicken. 1942 erhielt er die Mitteilung, dass er die Zeitschrift wegen Papiermangels einstellen müsse. Nach dem 2. Weltkrieg bis heute 1948 ging Paul Debes an die Öffentlichkeit. Er hielt in Hamburg und anderen Großstädten Norddeutschlands öffentliche Vorträge. Diesen Vorträgen mit bis zu 500 Zuhörern schlossen sich vertiefende Abendseminare mit etwa 80 Teilnehmern an. So entstand das “Buddhistische Seminar”, offiziell gegründet 1948 in der Eilshorst. Ab 1949 führte Debes seine intensiven “Forschungswochen” durch. Das Seminar machte es sich zur Aufgabe, die Unterweisungen des Buddha für den heutigen westlichen Menschen zu erschließen. Die Zeitschrift „Wissen und Wandel“ erscheint fortlaufend seit 1955. Von 1948 bis 1961 gab der Schweizer Max Ladner die Zeitschrift "Die Einsicht" heraus, die zur repräsentativen buddhistischen Zeitschrift für den deutschsprachigen Bereich wurde. 1950 weihte der burmesische Mönch U Thunanda in Berlin Hans-Ulrich Rieker zum Novizen, die erste solche Weihe in Deutschland. Nach Gründung der "World Fellowship of Buddhists" in Sri Lanka im Jahre 1950 haben fast lückenlos deutsche Buddhisten mit aktiven Mitgliedern an den Konferenzen teilgenommen. Erstmals war 1952 Dr. Helmut Klar in Tokyo als Delegierter anwesend. 1954 in Rangoon vertraten Felix Knobeloch und Helmut Klar die deutschen und österreichischen Buddhisten. 1952 erfolgte durch Rieker in Berlin auch die Gründung eines westlichen Zweiges des vom Lama Govinda (Ernst Lothar Hofmann) gegründeten Ordens Arya Maitreya Mandala. 1955 wurde die „Deutsche Buddhistische Gesellschaft“ gegründet. Maßgeblichen Anteil daran hatte Joseph German Bauer (1893-1983), der schon 1925 die Buddhitische Gesellschaft München gegründet und an der dort erschienenen Zeitschrift "Buddhistische Monatshefte" migewirkt hatte. Ab 1958 wurde daraus der Dachverband „Deutsche Buddhistische Union.“ Unter dem Vorsitz von Karl Schmied wurde beschlossen, die notwendigen Schritte zur Gründung einer Buddhistischen Religionsgemeinschaft in Deutschland einzuleiten, die staatlicherseits als Körperschaft des öffentlichen Rechts gemäß dem Grundgesetz anerkannt werden sollte. Der Antrag wurde in der Kultusministerkonferenz zunächst einmal verschoben; der Einspruch Bayerns vereitelte diese Initiative auf Jahrzehnte. Doch die Einigung auf ein „Buddhistisches Bekenntnis“ der inzwischen vielen verschiedenen buddhistischen Gruppierungen in Deutschland stellte im westlichen Buddhismus eine allseits anerkannte Novität dar. 1960 kam Lama Govinda (Ernst Lothar Hoffmann) nach langem Asienaufenthalt zurück nach Europa, auch nach Deutschland. Auch er war seinerzeit (1928) neun Wochen bei Nyanatiloka auf der Island Hermitage gewesen. Jetzt kam er als Vertreter des tibetischen Buddhismus zu einer internationalen religiösen Konferenz in Venedig. Und 1965 hielt er im "Haus der Stille" in Roseburg ein Seminar ab. Mitte der sechziger Jahre bot im "'Haus der Stille" auch Bhikkhu Vimalo (Walter Kulbarz) langfristige Meditationskurse im Stile der Theravada-Tradition an, für die damaligen Verhältnisse in Deutschland etwas völlig Neues. 1968 gibt der Philosoph Professor Kurt Leider ein wissenschaftliches Buddhawerk heraus. Der Titel war "Buddha. Leben - Lehre - Jüngerschar." Er war ein Schüler von Rudolf Otto Franke, der bereits 1913 eine eigene Übersetzung der "Längeren Sammlung" erarbeitet hatte. Aus den Nachlaßarbeiten Professor Frankes erarbeitet, entstand so ein Gemeinschaftswerk von Lehrer und Schüler. Der Schweizer Buddhist Kurt Onken (1914-2007) gründete zusammen mit anderen Buddhisten 1972 in Winterthur die "Buddhistische Gemeinschaft". Diese Gemeinschaft, die bald ein Seminarhaus in Dicken erwarb, entwickelte ein lebhaftes buddhistisches Leben und zog viele Nachfolger und Kenner des Theravadabuddhismus an. Hellmuth Hecker, Fritz Schäfer und Paul Debes hielten hier Vorträge ebenso wie auch verschiedene buddhistische Mönche. Seit 1975 wurde von Kurt Onken auch die Buchreihe "Bodhi-Blätter" herausgegeben. Bis 2003 sind 38 Nummern erschienen. Hier finden sich Perlen der theravadabuddhistischen Literatur. Die österreichischen Buddhisten erhielten 1983 die volle Anerkennung einer Religionsgemeinschaft. Entscheidende Verdienste um diese Anerkennung hatte Dr. med. Walter Karwath (1919 - 1986), der auch einige gute Bücher zum Buddhismus geschrieben hatte. Die buddhistische Gesellschaft München konsolidierte sich in den achtziger Jahren und veranstaltete 1987 zusammen mit zahlreichen buddhistischen Gruppen Münchens die "I. Münchener Dharmatage", an denen etwa 200 Personen teilnahmen. Seit 1990 entstand ein regelrechter Buddhismus-Boom in Deutschland. Es entstanden nochmals neue Gruppierungen und Zentren, u. a. in Bayern das Buddha-Haus, in welchem die Theravada-Nonne Ayya Khema (Ilse Ledermann, geb. 1923), die in Sri Lanka ordiniert worden war, lehren konnte. Im "Buddhayana Zentrum" in der Nähe Kölns wurde von 1990 bis 2000 in der Tradition des burmesischen Meditationsmeister Mahasi Sayadaw gelehrt und meditiert. Veröffentlichungen in der Presse und Berichte im Fernsehen erschienen vermehrt. Nicht zuletzt auch durch die Verleihung des Nobelpreises an den Dalai Lama 1989 wurde der Buddhismus immer mehr einer breiten Öffentlichkeit bekannt und gewohnt. Mit der Veranstaltung des Kongresses der „Europäischen Buddhistischen Union“ (EBU) durch die Deutsche Buddhistische Union (DBU) in Berlin 1992 zum Thema „Einheit in der Vielfalt“ konnte die Entwicklung des deutschen Buddhismus eine neue Wegmarke setzen. Für den 1995 gegründeten "Verlag Beyerlein - Steinschulte" war es ein Hauptanliegen der Verlagsarbeit, die ältesten Texte des Buddhismus, die Reden des Buddha, wieder herauszugeben. Inzwischen gibt es darüber hinaus ein umfangreiches Programm mit sehr guter buddhistische Literatur von Nyanatiloka Mahathera, Nyanaponika Mahathera, Max Ladner, Hans Wolfgang Schumann, Alfred Weil, Hellmuth Hecker, Fritz Schäfer und anderen. Man schätzt die Anzahl der Buddhisten in Deutschland heute auf ca. 130000. Sympathisanten und Interessenten in größerer Zahl kommen dazu. Außerdem ungefähr die gleiche Anzahl asiatischer Buddhisten, die in Deutschland leben. Es bestehen viele Netzwerke und Freundschaften auch zwischen verschiedenen Lehrmeinungen. Ferner eine Anzahl Seminarhäuser, verteilt über ganz Deutschland und auch etliche gute Lehrer dafür, die hier nicht alle genannt werden können. Und es gibt eine Anzahl guter Web-Seiten.
|
|